Suizidprävention

2016-08-03 06:50 von Kirsten Prey

Damit das Leben weitergeht

IFOTES 2016 - Ein kurzer Rückblick

2016-07-25 10:16 von Kirsten Prey

 

Das Programm war entsprechend bunt: es gab hervorragende Vorträge, vertiefende Foren, lebendige Workshops, Andachten und einen ökumenischen Gottesdienst sowie ein vielseitiges soziales Programm.

Inhaltlich ging es immer wieder um die Frage, wie das Leben weitergehen kann (For life to go on) – wenn ein Mensch Suizidgedanken und –absichten hat. Was ist dann hilfreich? Und was ist vielleicht gut gemeint, erreicht aber einen Menschen in seiner Not nicht?

Dabei wurden viele Aspekte beleuchtet. Wie die Bedeutung, welche die Erfahrung von Einsamkeit hat – in welchem Zusammenhang Selbstverletzung zum Suizid steht – und wie wohl tuend es sein kann, von eigenen Suizidgedanken sprechen zu können.

Von unserer Stelle waren wir mit 21 Ehrenamtlichen und einer Hauptamtlichen vor Ort. Als Nachbarstelle der TelefonSeelsorge Aachen haben einige unserer Ehrenamtlichen den Kongress als Volunteers begleitet.

All die Erfahrungen zu sortieren, einzelnem nachzuspüren und anderes nachzulesen wird uns in den nächsten Wochen beschäftigen. Doch schon jetzt lässt sich sagen, dass der Kongress ein großer Gewinn für uns Teilnehmende war. Und ich gehe davon aus, dass wir noch einmal anders auf Anrufende bei uns eingehen können, die sich nicht sicher sind, ob sie weiterleben möchten und wenn ja, wie.

Pfrn Kirsten Prey

Der internationale Kongress IFOTES 2016 „vor der Haustür“

2016-05-20 11:25 von Margot Kranz

Ein Kulturprogramm für die Gäste zeigt die Vielfalt Aachens und greift die Dreiländereckkonstellation auf.

Viele Ehrenamtliche  und Hauptamtliche sind aktiv bei den Planungen und laufen bei ihren Vorbereitungen, die internationalen Gäste in Aachen  willkommen zu heißen auf Hochtouren. Die Planung von ca. 1.500 Gästen scheint beim derzeitigen  Stand der Anmeldung von über 1.300 aufzugehen.

Die Anfänge der TelefonSeelsorge liegen genau 60 Jahre zurück- nämlich in der Beratung von Lebensmüden. So nimmt auch dieser Kongress dieses Thema zum Anlass, sich heute mit den aktuellen Fragen der Suizidprävention auseinander zu setzen.

Und im Anschluss an den Kongress am 23. Juli feiert dann die TelefonSeelsorge Deutschland ihr 60 jähriges Jubiläum mit einem Hochamt im Dom und einem anschließenden Empfang und Festakt im Aachener Rathhaus.

Insgesamt werden diese Großereignisse  neue Impulse für den Dienst der insgesamt über 8.000 Ehrenamtlichen in der TelefonSeelsorge Deutschland bieten und darüberhinaus den insgesamt 21.000 Freiwilligen aus 23 Nationen, die sich für Menschen in Krisen und Ängsten in den Diensten der TelefonSeelsorge sowie der Krisentelefone engagieren.

Nicht zuletzt ist der IFOTES- Congress selber Geburtstagskind und wird 50 Jahre.

Lesen Sie mehr auf www.ifotescongress2016.org

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-kirche-in-wdr-3-4-5/audio-klaus-nelissen-126.html 

Sieben neue TelefonSeelsorgerinnen und Seelsorger

2015-03-15 20:09 von Margot Kranz

„Ich wollte mal anrufen. Ich halt das nicht mehr aus . . .“

Foto und Text: Joh. de Kleine

„Ich wollte mal anrufen. Ich halt das nicht mehr aus . . .“

Mitarbeitende der TelefonSeelsorge Düren-Heinsberg-Jülich eingeführt

Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand im Gemeindezentrum Birkesdorf der Evangelischen Gemeinde zu Düren ein Gottesdienst statt. Ungewöhnlich, weil evangelische Gottesdienste immer öffentlich sind. Normal aber, wenn es um die TelefonSeelsorge (TS) geht: gilt es doch, die Anonymität der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu wahren, damit die Anrufenden unbefangen reden können.

Die Leiterin der TS, Margot Kranz, konnte dennoch viele Menschen begrüßen. Viele bereits in der TS Tätige waren gekommen; der Kirchenchor Lammersdorf unter der Leitung von Frau Scheidweiler-Pleines gestaltete den Gottesdienst musikalisch und füllte allein schon die Hälfte der Plätze; und schließlich waren neben der TS-Pfarrerin Kirsten Prey, dem TS-Kuratoriums-Vorsitzenden Thomas Thönneßen und seiner Stellvertreterin Pfarrerin Ulrike Grab die Vertreter der beiden Träger anwesend: Regionaldekan Pfarrer Hans Doncks für die katholische sowie Superintendent Pfarrer Jens Sannig für die evangelische Kirche, genauer: der eine für das Bistum Aachen, der andere für den Evangelischen Kirchenkreis Jülich.

 

Vielleicht geschieht ein Wunder?

Pfarrerin Kirsten Prey beschrieb in ihrer Predigt den Alltag der Mitarbeitenden in der TS. Das Zuhören, Dabeibleiben, Not einen Moment lang mit aushalten. Auch die Ohnmacht, die Trauer, die Schmerzen, die Wut oder die Verzweiflung der Anrufenden auszuhalten. Ein schwieriger Dienst, weil man in der Regel die Situation des Anrufenden nicht ändern kann. Weil, so die Aussage einer Mitarbeiterin, man am Telefon keine Wunder vollbringen könne. Dass es dennoch eine Hilfe sein kann oder der Anfang von Hilfe, einfach einmal alles aussprechen, sich von der Seele reden zu können, auch das ist eine Erfahrung in der TS. Und in ihrer Auslegung der Geschichte von der Heilung eines epileptischen Jungen aus dem Markusevangelium kam Pfarrerin Prey dann zu einer überraschenden Antwort auf die Frage, was eine Mitarbeiterin, ein Mitarbeiter der TS am Telefon in einem Gespräch bewirken kann:  „Können wir dann Wunder vollbringen? Heute möchte ich antworten: wer weiß? Wir können mitgehen mit einem Anrufenden und an seiner Seite sein. Ohne Bedingungen zu stellen - ohne Erwartungen zu stellen. Zweckfrei mitgehen. Und so es uns gegeben wird, still werden in Gott. Diese Stille Raum greifen lassen und in sie einladen. Gott mehr vertrauen als allen Kämpfen von Macht und Ohnmacht. Die verklingen dann von alleine. Und wer weiß? Vielleicht geschieht dann ein Wunder. Und das, was war, ist nicht mehr. Altes ist vergangen und Neues zeichnet sich ab. Wir dürfen der Stille in Gott mehr trauen als allen Kämpfen und Krämpfen. Und selbst, wenn wir nicht Zeuge eines Wunders werden: wissen wir, was geschieht, wenn der Hörer aufgelegt wurde? Wenn unsere Wege sich trennen? Niemand ist Zeuge von allem, was einem Menschen begegnet. Vielleicht geschieht ja etwas in der Stille danach. Ja, warum nicht ein Wunder?“

 

Dankbarkeit für den Dienst der Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger

Regionaldekan Hans Doncks betonte in seinem Grußwort die wichtige Aufgabe der Mitarbeitenden in der TS, rund um die Uhr Zeit zu haben. Die Anrufenden betrachteten das Zuhören als ersten Schritt zur Hilfe. Er wünschte den Neuen Freude am Dienst und die Liebe zu den Menschen, aus der heraus helfendes Zuhören und hilfreiche Gespräche möglich werden. Kraft für diesen anspruchsvollen Dienst gebe es durch das Gebet. Er übermittelte den Mitarbeitenden der TS, den bereits aktiven und den Neulingen, den herzlichen Dank des Bistums Aachen. 

Superintendent Sannig sieht in den Beauftragungsgottesdiensten der TS einen Höhepunkt seines Arbeitsjahres. Es sei gut, notwendig und unverzichtbar, dass es diesen Dienst für die Menschen gebe. Die Mitarbeitenden der TS erfüllten einen hohen Anspruch, den die Kirche an sich selbst habe, und den die Hilfesuchenden an die TS hätten. Sich selber zurücknehmen, sich öffnen, zuhören – so ermöglichten die Mitarbeitenden am Telefon den Menschen in den Brüchen und Katastrophen ihres Lebens ein Stück Hilfe. Auf diese Weise werde für Menschen in Not Gottes Beistand Wirklichkeit. Der Superintendent wünschte den Mitarbeitenden Gottes Segen und Beistand sowie die Kraft, die aus der eigenen Geborgenheit in Gott erwachse. Den Dank für die Arbeit und die Gratulation zur erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung verband er schließlich mit dem Wunsch nach vielen guten Gesprächen am Telefon.   

 

Ihr seid ein Segen! Ausbildung ermöglicht wertschätzende Achtsamkeit am Telefon

TS-Leiterin Margot Kranz bescheinigte den fünf Frauen und den beiden Männern, dass sie in dem einen Jahr der Ausbildung gut miteinander und an sich selbst gearbeitet hätten. Wer in der Gruppe beziehungsfähig sei, werde dies auch im Dienst am Telefon sein können. Das sei die Voraussetzung für eine wertschätzende Achtsamkeit im Umgang mit den Hilfesuchenden. So werde es möglich, dass die Anruferinnen und Anrufer sich angenommen fühlten. „Ihr seid ein Segen für die Menschen!“ Das war die klare Botschaft an die Neuen.

Margot Kranz überreichte jeder und jedem einen symbolträchtigen Anhänger zu seinem persönlichen Schlüssel für die Räume der TS, und zwar in Gestalt einer Eule. Diese sei ein Nachttier, könne hervorragend hören und sei ein höchst soziales Wesen. Ein gutes Vorbild eben für Frauen und Männer am Telefon.

Thomas Thönneßen als Vorsitzender des Kuratoriums der TelefonSeelsorge Düren-Heinsberg-Jülich überreichte den sieben Neuen jeweils ihre Beauftragungsurkunde. „Der Dienst in der Gemeinschaft der TS wird Ihnen zugleich zugemutet und zugetraut“, gab er ihnen mit auf den Weg.

Gute Wünsche gab es auch vom Beirat der TS sowie von der Sprecherin des Chores aus Lammersdorf.

Und wer in seiner Arbeit ohne jegliche öffentliche Anerkennung auskommen muss, der sollte wenigstens in der Gemeinschaft seiner Kolleginnen und Kollegen gut für sich selbst sorgen. So folgte dem Beauftragungsgottesdienst eine der liebevoll gestalteten Feiern, für die die TS intern berühmt ist.

                                                                       © Johannes de Kleine

 

Wer sich gerne näher über die TelefonSeelsorge informieren möchte: www.telefonseelsorge-düren.de

 

 

 

Angst ist ein Menschheitsthema

2014-10-29 21:04 von Margot Kranz

Wir alle sind Angst- Hasen

Foto: © PFab; Text: von Ebner- Eschenbach

 

 

Wir alle kennen Ängste! Angst ist ein Menschheitsthema und ein überlebenswichtiger Schutzmechanismus, denn ohne Angst wären wir verloren oder vielfach Situationen völlig schutzlos ausgesetzt. Was aber geschieht, wenn die Angst zum überwiegenden Lebensgefühl wird und die Lebensqualität einschränkt? Wenn sie sich steigert und den Tag beherrscht? Ein Leben unter solchem Stress führt fast zwangsläufig zu ernsten Verhaltensauffälligkeiten, zu Schlafstörungen etc.  Menschen finden einfach keine Ruhe und Sicherheit mehr....

In zwei  Fortbildungsbeiträgen zum Ende des Sommers beschäftigten sich die TelelefonSeelsorgerinnen und -Seelsorger mit dem Thema:  „Angst“ – genauer gesagt mit der „Biologie der Angst“.

Ziel der Fortbildung  in der TelefonSeelsorge war es zunächst, uns mit den eigenen Ängsten vertrauter zu machen. Um Anrufenden ein hilfreicher Gesprächspartner sein zu können,  ist dieses Wissen um uns selbst ein erster wichtiger Schritt zum Verständnis des Gegenübers. Denn Anrufende brauchen Gesprächspartner, die die eigenen ängstlichen, schwachen Seiten nicht abwehren müssen. Erst dann können sie die Ängste der Anrufenden wohlwollend ernst- und annehmen – und sind viel weniger in der Gefahr, mit den Gefühlen der Ratsuchenden zu verschwimmen oder sich von ihnen überwältigen zulassen.

Die Psychotherapeutin Frau Dr. Traude Crins - Ärztin für Neurologie/ Psychiatrie und Psychoanalyse - stellte nach diesem selbsterfahrungsorientierten Tagesabschnitt neuere Erkenntnisse der Hirnforschung  vor.  An dieser Stelle seien nur einige Schlagworte genannt:

  •       Ängste behindern unsere emotionale Entfaltung. Sie hinterlassen physiologische und biochemische Spuren im Gehirn!
  •      Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit sind lebenslange Schlüssel für Umbau- und Wachstumsprozesse im Gehirn!

 

  •      Damit wir uns für etwas begeistern, muss es bedeutend für uns sein. Bedeutsamkeit ist der Motor für das Gefühl, sinnvoll zu leben!

 

 

  •      Auch nach einem schweren Trauma verfügt unser Körper über enorme Selbstheilungskräfte!

 

  •      Lernen braucht mehr als Brainjogging. Inhalte des Lernens müssen unter die Haut gehen und Aufgaben müssen als herausfordernd und als zu bewältigen erlebt werden!

 

Quelle: Manuskript zur Fortbildung von Dr. Traude Crins

 

Zur vertiefenden Beschäftigung mit dem Thema empfehlen wir :

Gerald Hüther:  „Biologie der Angst“, Göttingen 2012

Peter A. Levine: „ Sprache ohne Worte – wie unser Körper Trauma verarbeitet und uns in die innere Balance zurückführt“ Kösel Verlag 2010

Geo Kompakt Nr.40      9/ 2014: „Wege aus dem Stress – wie sich Burnout- Ängste und Depressionen überwinden lassen“

 

 

 

Der Herr ist auferstanden

2014-04-14 09:09 von Kirsten Prey

Karwoche 2014

2014-04-14 08:54 von Kirsten Prey

Tod und Trauer

2014-03-27 12:19 von Kirsten Prey

in der Grabeskirche, Aachen

 

„Wer trauert hat zunächst das Gefühl, als läge ein unüberwindlicher Berg vor ihm. Doch mit der Zeit lassen sich einzelne Brocken dieses Berges abtragen“ – mit dieser Erfahrung einer Trauernden sind wir in der TelefonSeelsorge Düren in eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Tod und Trauer“ eingestiegen. Wir haben geteilt, wie unterschiedlich Trauer erlebt wurde und wie sie Menschen prägt und verändert. Auch was sie ermöglicht. Da waren Tränen und Lachen manchmal nahe beieinander.

Dabei hat uns die Frage beschäftigt, ob Trauer „Arbeit“ ist, so wie man es früher sagte und ob es einen Zeitraum gibt, innerhalb dessen sich Trauer abschließen lässt. Ein Ergebnis war, dass es Trauer um einen Menschen gibt, die nie ganz endet, weil der geliebte Mensch einfach fehlt. Das ist eine Trauer, die irgendwann nicht mehr ein Fels vor einem steht, sondern kleingebrochen wurde und ein Stein für die eigene Tasche ist, ein Stein im Mosaik des eigenen Lebens.

Unsere Toten, wo ist eigentlich ihr Ort, wenn sie nicht mehr in unserer Mitte sind? Mit dieser Frage im Kopf sind wir in die Grabeskirche in Aachen gegangen. Haben nach Antworten in der Theologie und Architektur sowie Kunst dieser Kirche gesucht und für uns entdeckt.

Dieser Fortbildungstag hat Antworten auf manche Fragen gegeben – aber er hat sicher mindestens so viel neue aufgetan. Das gehört zu dem Thema und unserer steten Auseinandersetzung mit ihm. Wir sind erneut sensibel geworden für unsere Momente der Trauer und die Fragen und Nöte von anderen.

Wer selber trauert und bei uns anruft oder uns mailt, wird daher auf einen Menschen treffen, für den Tod und Trauer ein Thema sind, das ihr und ihm nicht fremd ist.

 

IFOTES - der internationale Kongress der TelefonSeelsorge tagt in Göteborg

2013-07-11 14:22 von Margot Kranz

in Göteborg waren fünf unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei

 

 

XIX. internationaler
IFOTES Kongress In Göteborg/ Schweden, 10-14. Juli 2013

Thema:
Verwundbarkeit als Herausforderung

 

Fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TelefonSeelsorge Düren- Heinsberg- Jülich waren mit bei den 850 Teilnehmenden aus 20 Ländern. Sie kamen emotional und körperlich berührend mit der eigenen Verwundbarkeit in Kontakt. Gleichzeitig ging es um die Verletzbarkeit allen Lebens.

Die darin liegende Kraft zum Leben entdecken zu können, prägte die Haltung des gesamten Kongresses. Qualifizierte Vorträge und Workshops- Gespräche und Begegnungen sowie Sightseeing machten den Kongress in Göteborg zu einem Erlebnis, in dem sich unsere Teilnehmenden gut aufgehoben fühlten.

 

Der Mythos von Unverwundbarkeit

Verletzlich zu sein in jedem Augenblick unseres Lebens ist unsere Realität. Kein Wunder, das es seit jeher Sehnsucht der Menschheit ist, unverwundbar zu sein. Viele Menschheitsgeschichten erzählen davon, so auch die Nibelungen-Sage, in der der der junge Siegfried während seiner Jugend viele gewagte Unternehmungen besteht. Er besiegt unter anderem einen Drachen, in dessen Blut er sich badet. Das Blut verleiht ihm eine Hornhaut, durch die er bis auf eine Stelle zwischen den Schulterblättern, auf die während des Bades ein Blatt fällt, unverwundbar ist. Als Siegfried nach einem Jagd-Mahl an einer Quelle trinken will und sein Schwert ablegt, wird er mit einem Speer an eben jener Stelle erstochen. Etwas Ähnliches wird auch in der altgriechischen Sage über den unverwundbaren Achilles berichtet, der zu Tode kam durch die einzig verwundbare Stelle seines sonst stählernen Körpers: seine rechte Ferse.

Wir alle sind verwundbar

Die innerpsychische Schwelle der Verwundbarkeit misst sich an dem individuellen Maß an Stör- und Stressfähigkeit. Seelische Verwundbarkeit und damit das Risiko emotional verletzlich zu sein hat seine Ursprünge unter anderem durch soziale oder politische Machtstrukturen, durch den eingeschränkten Zugang zu Ressourcen, durch mangelnde innere Bewältigungsstrategien, das Unvermögen, Krisen und Konflikte zu überwinden, durch dysfunktionale Beziehungsmuster sowie durch Krankheit und Tod.

Das menschliches Bestreben Verwundbarkeit auszuweichen

Auf indirekte Weise erscheint das Phänomen der Verwundbarkeit in zwei Gestalten, die allen Menschen, die sich in Telefonseelsorgeeinrichtungen engagieren aus vielfältigen Gesprächen bekannt sein werden:

1.       Menschen, die die Verwundbarkeit der eigenen Existenz ignorieren. Verletzlichkeit scheint es hier nicht zu geben, weil das Leben so gut es geht abgesichert, kontrolliert und organisiert wird. Emotionale Zustände wie Misserfolg, Scham, Scheitern oder Fehlbarkeit werden getilgt und aus dem Berufs- oder Privatleben weitestgehend herausgehalten und durch vielerlei Idealisierung ein-wattiert.

2.      Dem gegenüber fühlen sich andere Menschen permanent verwundbar und schutzlos gegenüber unangenehmen und negativen Dingen, denen sie in ihrer Arbeit oder in ihren Beziehungen begegnen. Immer wieder fühlen sich die Menschen kraftlos, wenn sie schwierigen Situationen oder schwierigen Menschen begegnen. Sie fühlen sich fremdbestimmt durch die allgegenwärtige Verletzlichkeit des seelischen Wohlbefindens.

In beiden Fällen stellt Verletzlichkeit eine Bedrohung dar, die es abzuwehren gilt aber letztlich nicht ausgemerzt werden kann. Das Bemühen um Konservierung und Stagnation mündet früher oder später in plötzliche Zusammenbrüche.

Kann das Unerwartete auch ein Schatz sein?

Das Wissen um Verwundbarkeit als Fähigkeit das Unerwartete Willkommen zu heißen birgt dagegen einen Schatz: Wem es gelingt Verwundbarkeit als Teil seines Lebens zu integrieren wird fähig zu Kreativität, Herzlichkeit, Empathie und Wertschätzung, weil es nichts mehr zu betäuben, zu verstecken oder zu verhindern gibt. Ich werde fähig, den Möglichkeiten und Grenzen meines Lebens nachzuspüren.

Der Kongress 2013: Ziele und Wünsche

Diese Herausforderung soll im Mittelpunkt des Kongresses stehen unter der Frage, welche innere Haltung, welche Werte und emotionalen Zustände aber auch welche Werkzeuge die Akzeptanz von Verwundbarkeit ermöglichen. Mein Wunsch ist, dass wir durch einen individuellen aber auch gemeinschaftlichen Lernprozess positiven Einfluss auf die eigene Resilienz nehmen werden.

Ich danke an dieser Stelle dem Wissenschaft-Komitee und der Steuerungsgruppe für die engagierte Zusammenarbeit und besonders auch der Kongressmanagerin Monica Eckerdal und den schwedischen TS-Partnern von Kyrkans Jourtjänst für die engagierte und professionelle Vorbereitung des Kongresses in Göteborg.

 

Dr. Stefan Schumacher
IFOTES Präsident

Beten- Worte und mehr

2013-04-30 14:50 von Margot Kranz

Grey59/pixelio.de

Was uns trägt. Gebete sind Worte und mehr.

Einen Abend lang haben wir uns Zeit genommen, darüber zu sprechen, was Gebete für uns bedeuten. In unserer Kultur ist Beten etwas sehr persönliches. Zu teilen, wie wir Beten erleben und praktizieren, setzt Vertrauen voraus und schafft Verbundenheit. Es war uns wichtig, zu erkennen, wie eine TSlerin sagte, dass Beten „manchmal hilfreich die Sorgen und Wünsche – überhaupt das ganze Anliegen eines Anrufenden zusammenfassen kann und damit an eine höhere Instanz abgegeben werden kann.“  Unsere Seelsorge beinhaltet  Zuhören und  Annehmen und zugleich das Vertrauen, dass Gott sich eines jeden Menschen annimmt mit allem, was ihn beschäftigt. Ein Gebet bezeugt diese Hoffnung. Und manchmal erleben wir, dass es gut ist, unseren Glauben mit Anrufenden zu teilen, zum Beispiel durch die Schilderung unserer momentanen Situation: „während ich mit Ihnen spreche, brennt eine Kerze vor einem Engel, sie brennt auch für Sie . . .“

Text: Kirsten Prey

S., eine Teilnehmerin:

für mich bedeutet Beten mit dem Anrufer, ihn mit “ins Boot“ zu nehmen, aber auch wieder abzugeben, denn ist ja Gott, der uns alle trägt.

M.,  weitere Teilnehmerin:

Die Zeit der Stille in einer so großen Gruppe war sehr wohltuend, das bis dahin Gesagte konnte bedacht und in Zusammenhang mit eigenem Erleben gestellt werden; der teils intime Austausch übers Beten in der Kleingruppe hat uns nochmal einander näher gebracht.

Zur Gründung der TelefonSeelsorge

2013-03-13 22:03 von Margot Kranz (Kommentare: 0)

Wo kommt eigentlich die TelefonSeelsorge her und wer hat Sie gegründet? Das sind einige der Fragen die in der WDR-Sendung „Zeitzeichen“ geklärt werden. Hören Sie hier in den mp3-Beitrag.

Die TelefonSeelsorge sieht Grün

2013-03-13 21:49 von Margot Kranz (Kommentare: 0)

Blog TelefonSeelsorge Düren
Quelle: birgitH / pixelio.de

Ein Gesicht vollkommen grün: so hat Marc Chagall das Gesicht des Pharaos gemalt, der von Josef seine Träume gedeutet bekommt. Zu lesen ist diese Geschichte im 1. Buch Mose in der Bibel. Sie zu deuten und zu verstehen gibt es viele Ansätze. Chagall war mit der Geschichte vertraut, setzte sich eingehend mit ihr auseinander und er kam auf Grün.

Grün: weil für Chagall diese Farbe das Werden und Entstehen alles Lebendigen verdeutlicht. Und ja, es geschieht etwas im Kopf des Pharaos als der hört, was Josef ihm zu sagen hat. Grün: eine interessante Idee. Niemand von uns wäre darauf gekommen ohne die Erläuterung der sehr freundlichen und kompetenten Kunsthistorikerin im Pablo Picasso-Museum in Münster, wo derzeit die Ausstellung „Marc Chagall und die Bibel“ zu sehen ist. Wir, das waren 13 Frauen aus dem Mitarbeiterinnenstamm der TelefonSeelsorge Düren-Heinsberg-Jülich. Für einen Tag haben wir uns aufgemacht nach Münster, um uns inspirieren zu lassen von den Bildern Marc Chagalls, der als Meister der Farbe gilt. Dem Maler, der sich selbst als ein „bewusst unbewusster“ Künstler verstand. Und mit den bewussten wie unbewussten Momenten der menschlichen Seele, damit wiederum beschäftigen wir  in der TelefonSeelsorge uns immer wieder: beim Zuhören, Nachfragen und Erspüren von dem, was Anrufende uns zu Gehör bringen.

Hätte Chagall eine TelefonSeelsorgerin gemalt, was hätte er dann wohl an ihr grün gemalt? Vielleicht die Ohren oder das Herz oder gar auch den ganzen Kopf? Denn beim Zuhören passiert viel bei den ehrenamtlichen Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge wie auch sicher bei den Anrufenden. Und es ist besonders schön, wenn ein Mensch, der in seinem Leben an einer Stelle ins Stocken geraten ist, das Gespräch mit der TelefonSeelsorge sucht und sich danach lebendiger und freier fühlt.

Tag und Nacht sind die Leitungen der Ökumenischen TelefonSeelsorge erreichbar. Anonym und für Anrufende kostenfrei über die Nummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Grün, das ist durchaus eine Farbe, die es zu entdecken gilt: in Bildern von Chagall, sich selber oder einem Gespräch.

Text: Kirsten Prey